Wie eine Tablette, die glücklich macht...

Es ist Abend und wir gehen die letzte Runde für diesen Tag mit Loo, unserem tauben Dalmatinerrüden. Mittlerweile ist er ein halbes Jahr alt. Gerade fängt er an, sich gut zu benehmen und er “hört” sogar auf unsere Kommandos, meistens jedenfalls. Es ist in der letzten Zeit jedenfalls deutlich besser geworden mit seinem Benehmen.
Da der Spaziergang an unserer Bank vorbeiführt, nutzen wir die Gelegenheit, um Kontoauszüge zu holen. Als wir am Kontoauszugsdrucker stehen, betritt eine Dame den Schalterraum. Ich merke, dass Loo sie begrüßen will, so wie jeden (Hipp, hipp, hurra, ich bin ein Dalmatiner - du musst mich lieb haben!”), aber ich möchte das nicht. Kurz deute ich mit dem Zeigefinger links neben mir zu Boden. Loo dreht sich augenblicklich zu mir herum und setzt sich wie eine Porzellanfigur links neben mich.
Die Frau bleibt stehen und schaut erst mich, dann Loo ungläubig an.”Aber Sie haben doch jetzt gar nichts gesagt”, meint Sie sichtlich verwundert. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen (meine Güte, bin ich jetzt stolz auf Loo):”Er würde mich auch nicht hören”, erwidere ich. Fragend sieht sie mich an. “Er ist taub”, sage ich. Ihren Gesichtsausdruck zu beschreiben, ist schwer: Es ist eine Mischung aus Überraschung, Erstaunen und irgendwie auch Gerührtheit. “Das ist ja unglaublich. Sie beschäftigen sich wohl viel mit ihm. Einfach toll, dass es so etwas gibt - das ist ja wie eine Tablette, die glücklich macht. Da freue ich mich jetzt noch den ganzen Abend dran, glauben Sie mir”, sagt sie und strahlt mich an.
Es tut verdammt gut, nach der ersten schlimmen Flegelphase, mal wieder ein so tolles Erlebnis zu haben. Die Begeisterung der Frau ist so groß, dass sie auf uns abfärbt und wir den Rest des Abends damit verbringen, auf Loo, auf uns und unsere konsequente Erziehung stolz zu sein. Es ist manchmal ziemlich anstrengend, aber es zahlt sich aus. An diesem Abend jedenfalls ist es so.